Mac & I

 

Zarte Anfänge

Was Computer anbelangt war ich ein Spätentwickler. Erst als das Grundstudium sich dem Ende zuneigte und die Zahl der Praktikumsprotokolle stetig zunahm sah ich mich gezwungen mir einen PC zuzulegen. Man schrieb das Jahr 1994. Die Kommilitonen kämpften mit Windows 3.11, AmiPro und WordPerfect. Wegen des schmalen studentischen Budgets und des vorgesehenen Einsatzzwecks plante ich den Erwerb eines "486ers" mit Graustufenbildschirm und Tintenstrahler, ein Pentium war unerschwinglich.

 

Eines Abends rief ein Freund an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte einen Macintosh statt des IBM-kompatiblen zu kaufen. Er hatte einen lokalen Händler bequatscht, einen recht guten Preis für einen "Studentenmac" im Rahmen einer Sammelbestellung ausgehandelt und suchte nun Mittäter. Ich kannte den Unterschied zwischen Mac und PC nicht, ich wollte ja ohnehin nur ein bisschen texten. So kam ich zu meinem ersten Mac, einem Performa 475 mit 4MB RAM, 160MB Festplatte, mit Floppydrive aber ohne CD-ROM. Dazu gab es einen grauenhaften Performa Plus Monitor und einen Stylewriter II. Der Preis für diesen Arbeitsplatz lag tatsächlich unter dem für den in etwa gleich leistungsfähigen PC mit 80468DX2 CPU.

 

Zwei Wochen später hatte ich das System 7.1 zum ersten mal kaputtgespielt (Ja, das ging auch mit einem Mac, RAM-Doubler sei Dank.). Nach 4 Wochen begann meine damalige Freundin die Kiste zu hassen, die meine Zeit fraß. Tagsüber wurde getextet und gezeichnet. Die Nächte gehörten erst Sim City und später dann Marathon. Man könnte sagen, dass mich die Computerei wie ein Virus infizierte und nach der Infektion bis heute nicht mehr losgelassen hat. Nach etwa einem Jahr kaufte ich mir meine erste Speichererweiterung: 16 MB für 440 DM. Ein externes CD-ROM folgte wenig später.

 

Der Fanboy

Mit der Zeit begann ich zu begreifen, dass man als Macianer einer besonderen Spezies angehörte, die von der einfachen Bedienung ihres Betriebssystems verwöhnt wurde, während der bedauernswerte Rest sich von config.sys, autoexec.bat und Windows95 quälen lassen musste und auch schon mal drei Wochen auf den Anschluss eines Druckers verwendete. Dem Performa folgte 1998 ein gebrauchter Powermac 7600, dessen Innereien vom CD-ROM über den Prozessor bis zum Festplatten-und Netzwerkcontroller nach und nach modernisiert wurden und Ende 2000 dann ein Powermac G4. Es war im Grunde keine schöne Zeit für Macbenutzer: Die PC-Fraktion holte gewaltig auf, Windows XP kam raus und war gar nicht mal so schlecht. Auf der Hardwareseite rannten P3-Boliden Kreise um die vergleichsweise langsamen PowerPC-Macs. Als der Pentium 4 Standard wurde, hatten die Intels endgültig die Nase deutlich vorn und ich als Apple-Fanboy wurde regelmäßig verspottet, zu recht.

 

Die Zeit der Rechnerkriege war nämlich vorbei: Windows war das flotte aber ständig pflegebedürftige System der kundigen Bastler, deren Kisten die Apfelfraktion alt aussehen ließen. Mac OS blieb für die verschrobenen Einfältigen, die die Vorzüge des Systems priesen, zumeist ohne wirkliche Ahnung vom Geschehen unter der schönen bunten Oberfläche zu haben. Auf der Arbeit nahm der Anteil der Macnutzer stetig ab. Irgendwann war ich als letzter Mohikaner übrig und hatte genug damit zu tun meinen Oldtimer, einen furchtbar lauten PPC 7600 mit G3-Karte, USB-Karte und 152 MB RAM, in die Windows NT-Serverumgebung zu integrieren, damit ich nicht völlig abgemeldet war.

Der Zweifler

Als Mac OS X herauskam sah ich mit Schrecken zum ersten Mal die blinkende Eingabemarke im Terminal. Nein, das war nicht mehr meine Welt. Ich war ein Mausschubser, ein Klickibunti-Benutzer. Allerdings musste ich zugeben, dass das neue System seltener abstürzte, eine viel bessere Mehrbenutzerunterstützung bot und Dank des Interesses der Linux- und Solarisjünger am Mac das Ende der Plattform vorerst mal abgewendet war. So blieb ich dem Mac treu, entwickelte allerdings im Laufe der Zeit eine gesunde Distanz zur Firma Apple, ihren Produkten und vor allem zu Herrn Jobs. Je mehr ich mich mit Windows und Linux beschäftigte, umso mehr regte mich der fast schon religiöse Wahn mancher Macianer auf. Das lag daran, dass ich erkennen musste, dass abgesehen von der sehr annehmbaren PC-Hardware verschiedener Hersteller aus dem Hause Microsoft einige Softwareprodukte kamen, die sich zu recht zum Standard im professionellen Umfeld entwickelt haben.

 

Als Steve Jobs 2005 den Umstieg auf Intel-Prozessoren verkündete, hätte ich noch viel lauter geklatscht, wenn ich nicht gerade eine recht hohe Summe in einen schicken Dual-Prozessor-G5 gesteckt hätte, den ich deutlich über den vorgesehenen Abschreibungszeitrahmen hinaus zu nutzen gedachte. Apple strich das "Computer" aus dem Firmennamen, machte mit mp3-Playern und Mobiltelefonen Furore. Beim lokalen Mac-Filialisten konnten mir die studentischen Aushilfskräfte nicht mal mehr sagen, in welchem MacBook nun wieviel Level2-Cache zur Verfügung stand. Die Hardwarequalität der Macintoshs nahm in gleichem Maße ab, wie sich ihr Preis an den von Marken-PC annäherte.

 

Der Grenzgänger

Inzwischen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Je mehr PC ich zusammengebaut hatte, umso unzufriedener war ich mit Apples Produktpalette im Bereich Desktop-Rechner. Custom-Design mag schon etwas für sich haben, aber wer schon mal bei einem Powermac G4 das Netzteil gewechselt, oder in einem flachen iMac das optische Laufwerk ausgetauscht hat, der wünscht sich danach in Zukunft nur noch mit "hässlichen Kisten" im ATX-Format zu tun zu haben.

 

Wurde die Firma aus Cupertino um die Jahrtausendwende herum von einigen wenigen heftig verehrt und vom Rest ignoriert, so hat sich dies inzwischen gründlich geändert. Die Welt ist in Apple-Hasser und Apple-Jünger gespalten und manchmal hat man den Eindruck, dass die Konsumentscheidung für oder gegen ein bestimmtes Mobiltelefon von manchen Zeitgenossen so wichtig genommen wird, wie die Zugehörigkeit zu einer Konfession während der Renaissance.

 

Für professionelle Anwender, zu denen zähle ich mich auch, hat Apple bereits seit Jahren viel zu wenig zu bieten. Natürlich: Im kreativen Bereich sieht man immer noch viele Macs: iMacs mit spiegelnder Displayoberfläche und proprietären SATA-Steckern an der HDD, Macbooks mit eingeklebten Akkus und fest verlötetem Speicher und Mac mini, die von einem Wust an externen Geräte umgeben sind. Apple Server gibt es nicht mehr, das entsprechend benamste OS ist ein schlechter Scherz.

 

Ich werde OS X treu bleiben, das hat auch etwas mit Gewöhnung und Bequemlichkeit zu tun. Allerdings habe ich mich bereits vor einigen Jahren entschlossen, mir meine Macs selber zu bauen, da Apple außer einer Workstation für mehrere tausend Euro keinen einzigen ernstzunehmenden Desktop-Rechner im Portfolio hat.

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